Donnerstag, 14. April 2016

blau

es klopft an der tür.
ich habe so eine ahnung, wer es sein könnte.
es klopft noch einmal.
langsam drehe ich mich auf meine andere seite und klettere aus meinem warmen, kuscheligen bett.
ich gehe langsam zur tür, atme einmal tief durch und öffne sie.
"hallo", höre ich. "ich habe dich lange nicht mehr gesehen, ich wollte dich mal wieder besuchen kommen."
"hallo", antworte ich schwach. "hab mir schon gedacht, dass du kommst."
ich trete einen schritt zur seite und lasse meinen gast eintreten, schließe die tür.
"kaffee?", ich warte auf eine antwort.
"zigarette. und n bier."
ich schlurfe durch die wohnung, greife mir ein bier aus meinem rucksack und suche meinen tabak.
ich öffne meine balkontür und setze mich nach draußen, es ist bereits dunkel.
"was hast du so getrieben, ganz allein?"
"ich war nicht allein", sage ich. "ich bin nie allein."
"immer gedanken, hm?"
ich nicke und nehme einen schluck bier.
"hier sieht's übrigens aus wie sau."
"weiß ich. sorry", keine kraft mehr da, um aufzuräumen, denke ich mir.
einen moment kehrt stille ein und ich drehe mir eine zigarette.
"weisst du", beginne ich aber mein gast unterbricht mich.
"wo ist denn deine freundin? wie war noch mal ihr name? irgendwas mit a."
"ana meinst du", sage ich matt, "aber sie ist keine freundin."
"ja, die mein ich."
ich seufze und zucke die schultern.
dann beginne ich meinen satz erneut: "weißt du, ich habe das gefühl, ich kenn dich gar nicht mehr."
"wie meinst n du das?"
ich überlege kurz. dann sage ich: "naja, früher wusste ich immer ziemlich genau, wann du mich besuchst. und was wir dann unternehmen können und ich wusste auch immer genau, ob du mehr lust auf n kaffee oder ne zigarette hast."
"und jetzt nicht mehr, oder wie?"
ich schüttele den kopf.
"ne, jetzt weiß ich gar nichts mehr." ich seufze noch einmal, und nehme ein paar züge meiner zigarette.
kurze stille.
"ich finde, es ist okay, manchmal nicht zu wissen, was man machen soll", sagt mein gast.
"danke", sage ich leise.
es klopft wieder an der tür.
"noch mehr besuch?", fragt mein gast.
"ich hab schon so ne idee, wer das ist", sage ich und stehe vom stuhl auf.
mit bier und zigarette in der hand schlurfe ich zur tür und mache sie auf.
"hallo", sagt mein gegenüber. "ich war nur mal kuz weg, gras holen."
ich trete bei seite und lasse den ungebetenen gast in meine wohnung.
"komm mit auf den balkon", sage ich, "ich rauche grade eine mit depression."
"hallo ana", sagt depression, "schön dich zu sehen."
"gleichfalls", sagt ana.
"ich muss umziehen", murmele ich.

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