Mittwoch, 8. Juni 2016

kristallnacht / feenstaub (pt.2)

meine freunde sind alle gegangen.
mir ist es egal.
ich rauche genüßlich eine kippe nach der anderen, trinke was, gucke mich um.
der raum ist nicht besonders bunt, es gibt nicht viele lampen.
dafür gibt es eine nebelmaschine.
man muss prioritäten setzen, wa.

besonders viele menschen sind nicht mehr da, es ist grad mal sechs uhr.

plötzlich stichst du mir ins auge.
du stehst weiter hinten, unterhälst dich vielleicht mit jemandem, keine ahnung.
aber du hast einen schal um oder ein tuch.
aufgeregt, ohne nach zu denken, gehe ich ziemlich fix zu dir rüber und quatsch dich an.
du bist c., aus frankfurt und 32 jahre alt.

wir fahren tatsächlich später zusammen zum hauptbahnhof, bevor ich in meine bahn nach hause hüpfe.

ich habe c. schon zweinmal besucht.
ich mag ihn gern.
was daraus wird, kann ich nicht sagen.
will ich nicht sagen.


feenstaub (pt.1)

"willst du?", fragt j.
ich nicke und folge ihm nach draußen.
"hier rein"
wir setzen uns in einen fotoautomaten und ziehen den vorhang zu. drinnen brennt helles hallogenlicht. es ist einer dieser neumodischen automaten, wo man passbilder machen kann.
er kramt in den tiefen seiner hosentaschen und zieht ein portomonaie heraus.
es ist wie ein zaubertrick, aus dem portomonaie holt er ein tütchen, dann eine karte, dann noch eine karte.
ich sage kein wort. mein herz schlägt stark unter meiner brust.
jetzt, wo ich diese zeilen schreibe und mich zurück erinnere, muss ich ein bisschen grinsen.
wie aufregend alles immer scheint beim ersten mal.
wie eine riesen große sache.
ich schaue ihm dabei zu, wie er aus dem pulver zwei lines macht. ein bisschen rieselt hinab auf unsere beine, es glitzert in allen farben des regenbogens.
"scheisse", murmelt er.
in diesem moment geht das licht im fotoautomaten aus.
wir tauschen einen halb erschrockenen, halb belustigten blick.
er drückt mir den zusammengerollten schein in die hand.
feenstaub.