Mittwoch, 24. August 2016

des spiegels verlockung | romantisierung

hier verbirgt sich eine gewisse doppeldeutigkeit, ich erkläre:

es ist wirklich unglaublich, wie viele möglichkeiten der alltag bietet, um seine eigene reflexion anzustarren - ich erschrecke mich in letzter zeit immer mal wieder, wenn mich mein spiegelbild anblickt.
die augen wirken müde, ausgelaugt aber glücklich, der körper ausgezerrt, die haut grau und unrein.
ich muss dann zwei mal hingucken, um zu erkennen, dass das da wirklich ich bin.

mein liebster spiegel jedoch ist das tablett aus metall mit den kleinen glasplatten drauf, dem röhrchen, feenstaub.

ich bin enthaltsam, etwa die hälfte des monats. das ist kein problem. es ist keine sucht.
da hab ich ganz andere probleme.

die stimme in meinem kopf ist wieder laut, sehr laut.
ich wog heute morgen 59 kilogramm.
ich mache mir selber angst.
ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes zeichen?

mein vater redet nicht mehr mit mir.
meine mutter lebt vielleicht nicht mehr.
ich bin nicht schwanger.
ich wurde vermutlich nicht an der uni angenommen.
ich ziehe nächste woche mittwoch um.
heute auf der arbeit musste ich mich für eine halbe stunde raus setzen, smöken, heulen. ich hatte am hellichten tag, auf der arbeit, einen nervenzusammenbruch. ich wünschte ich würde endlich von meiner mama hören.
ich wünschte ich wär in Cs armen und könnte beruhigt einschlafen, wenn er da ist, passiert mir nichts. sein ruhiges atmen, die liebe und die wärme lassen nichts schlechtes an mich heran.


Freitag, 19. August 2016

schattenfigur

natürlich hatte ich recht.
natürlich würde er sich beschweren, über die art wie ich mein leben lebe.
über die prioritäten, die ich mir setze. über die ziele, die ich habe oder nicht habe.
die liste könnte endlos weiter geführt werden, ich könnte euch vermutlich stundenlang damit entertainen, was meinem vater an mir missfällt.
doch ich werde dies nicht tun, da mir bessere dinge einfallen um jemanden zu entertainen und weil ich inzwischen weiß, wie ich mit meinem vater umzugehen habe - nämlich selten bis gar nicht, damit alles rosig läuft.
schon vorher war es selten einfach mit meinem vater, aber in den letzten drei jahren war es ein nervenaufreibender kampf - bis ich irgendwann keine lust mehr hatte auf dieses...was auch immer.
wir stritten viel, dann sprachen wir nicht mehr, dann stritten wir wieder viel, dann habe ich den kontakt abgebrochen.
was mein vater in der vergangenheit getan hat, wie er gehandelt hat, fühlt sich an wie verrat und dieses gefühl werde ich auch nie los werden.
ich bin aber nicht mehr traurig, oder entsetzt, oder schokiert.
ich bin nicht mal mehr wütend.
ich habe mich damit abgefunden, es verarbeiten können.

ich habe ihm gesagt, dass ich quer durchs land ziehen werde, weg.
die lange nachricht, die ich ein paar tage später von ihm erhielt, habe ich noch nicht beantwortet.
und ich weiß nicht, ob ich es tue.

mein vater hat eine bedeutung für mich.
als mensch.
er ist nicht mein papa, er ist nicht mein go-to-guy, er ist nicht mein held, ich frage ihn nicht um rat, ich bespreche mit ihm keine lebenspläne oder entscheidungen.
das ist für mich der aller beste weg.


kinderaugen

ich bekomme angst, wenn ich daran denke.
diese strahlende unschuld, das verletzbare, das von grund auf gute, die liebevolle zärtlichkeit gegenüber allem.
sie sind so schutzbedürftig.
sie haben nichts und gleichzeitig alles.
nur hier ist alles so kaputt,
wie kann mein herz es dann ertragen, etwas so pures in diese grausamkeit zu holen.
es in die dunkle welt zu ziehen, es an die hand zu nehmen und mit verbundenen augen in das chaos zu springen. in die sucht hinein zu zerren. die trauer. die schmerzende wahrheit der liebe.
wie soll das gehen, frage ich mich.
und doch - in deinen augen regt sich etwas bei dem gedanken, unser chaos zu vermehren.
sie funkeln. freudig gespannt, verwirrt, unsicher strahlen sie mich kurz an.
dann räumst du schnell alles auf und steckst es in die dunklen schubladen zurück.
ein kurzer moment von wahrheit überkam dich.
dann hat dein verstand dich angebrüllt und du hast ihn gewinnen lassen.
und natürlich mache ich es genauso, weil ich weiss, dass dein und mein verstand recht haben
aber auch ich habe kurze momente der wahrheit, wo mich freude, liebe und spannung packt.
bevor ich dich wieder anblicke - in die schönsten augen, die ich kenne - und mir eingestehe, dass wir so etwas noch nicht wollen, nicht wirklich jeden falls.
dafür gibt es noch zu viel zu erledigen, zu viel zu entdecken, zu viel scheisse zu bauen, zu viel spaß zu haben.
und zu viel zu reparieren an uns beiden als individuen.



ich hab eigentlich viel zu erzählen, mir spuken nur grade viele andere sachen im kopf herum.
mir geht es unverändert.
die sucht ist hier.
sie geht nicht.
ich merks immer stärker.
ich halte durch aber gebe nach.

goldener dunst

GLÜCKUNGLÜCK

ich werd aus dir nicht schlau. 
was du an dir hast, das leute bessesen sind, 
dich zu besitzen. 
was du mit den köpfen machst, 
wie du sie verdrehst, den armen kleinen menschen, 
bis hin, 
zum tod aller sinne.
wir eifern dir nach,
suchen dich in allen farben, 
finden selten.
und doch glauben wir, 
dass es dich gibt.
aber ist es nicht so,
liebes glück,
dass derjenige, der an dich zu glauben wünscht,
sich sehnt nach deiner wärme,
deiner lust und deinem frieden,
sich auch verzehren muss nach deines bruders frivoler lebenslust,
dem unglück?
ist es nicht so, dass derjenige sich zu suhlen pflegt,
in einem meer aus dem unschönen wort?
ist es nicht so, dass er es genießen mag,
stets wenn du leise und friedlich in den endlosen nächten schlummerst,
weil du es dann nicht sehen kannst?