Freitag, 29. April 2016

blau 2.0

die tür fällt hinter ihm ins schloss.
ich stehe für einen moment regungslos da.
ein paar kleine auseinandersetzungen und zack - fährt er davon.
hat die hälfte seiner sachen hier gelassen.
egal.
bin wütend.
denke zurück an letzten freitag, da war die welt noch in ordnung.
war ich noch sorgenfrei, verhältnismäßig.
da war ich auf speed unterwegs, hatte ne ziemlich lange nacht.
war 9 uhr morgens, als ich den schlüssel ins schloss steckte.
habe auch jemanden kennen gelernt.
c aus frankfurt, 32 jahre alt.

bin einfach ratlos.
macht aber nix.

Montag, 18. April 2016

barfuß

bin eine ruine.
bin unglaublich viele schritte zurück gegangen.
es tut weh.
es ist schlimm.

es wird vorbei gehen.
nichts ist für die ewigkeit.
bald werde ich wieder nach vorn schauen.
baby schritte.

Samstag, 16. April 2016

rot

ich sehe aus, als wäre ich einem schwarzen block entsprungen.
so ganz in schwarz, kapuze auf.
es regnet.
ich schiebe mich zwischen den menschen hindurch, bin in letzter zeit schmaler geworden.
ich glaube, ich habe einen ziemlich irren blick drauf.
werde angestarrt von fremden.
hetze die straße entlang, will endlich zu hause sein.
bin vollkommen k.o. von der woche.
kopf hört nicht auf sich zu drehen.
ich biege ab und betrete den supermarkt.
ich drücke mich durch die gänge, wünschte ich wäre unsichtbar.
habe vergessen, was ich hier wollte.
stehe ratlos vor den nudeln, finde die gewünschten aber nicht.
laufe weiter, fast ferngesteuert, zum bierregal.
greife mir zwei dosen.
dabei denke ich: ist schon okay, trink ich heute eh nicht ganz.
aber eigentlich weiß ich, es ist nicht unbedingt ok, schon wieder allein zu trinken.
auf dem weg zur kasse schnappe ich mir noch ein päckchen tabak.
bezahlen.
rausgehen.
irre gucken.
die leute gehen mir aus dem weg, vielleicht stink ich.
ich sehe jemanden, den ich kenne - gucke schnell weg und lege noch einen zahn zu.
bin jetzt fast angekommen, in meinen ruhigen 4 wänden.
meinen stillen 34 quadratmetern.
nur der kopf dreht noch seine runden.
immer wieder im kreis, noch eine runde und noch eine runde.
kommt einfach nicht zum ende.
hält nicht die klappe.
so viel zu erledigen, so viel zu tun.
oder doch nicht?
stattdessen wird gekifft und getrunken, bis ich nicht mehr weiß, was mein problem ist.
ach halt - das weiß ich jetzt ja schon nicht mehr.


Donnerstag, 14. April 2016

blau

es klopft an der tür.
ich habe so eine ahnung, wer es sein könnte.
es klopft noch einmal.
langsam drehe ich mich auf meine andere seite und klettere aus meinem warmen, kuscheligen bett.
ich gehe langsam zur tür, atme einmal tief durch und öffne sie.
"hallo", höre ich. "ich habe dich lange nicht mehr gesehen, ich wollte dich mal wieder besuchen kommen."
"hallo", antworte ich schwach. "hab mir schon gedacht, dass du kommst."
ich trete einen schritt zur seite und lasse meinen gast eintreten, schließe die tür.
"kaffee?", ich warte auf eine antwort.
"zigarette. und n bier."
ich schlurfe durch die wohnung, greife mir ein bier aus meinem rucksack und suche meinen tabak.
ich öffne meine balkontür und setze mich nach draußen, es ist bereits dunkel.
"was hast du so getrieben, ganz allein?"
"ich war nicht allein", sage ich. "ich bin nie allein."
"immer gedanken, hm?"
ich nicke und nehme einen schluck bier.
"hier sieht's übrigens aus wie sau."
"weiß ich. sorry", keine kraft mehr da, um aufzuräumen, denke ich mir.
einen moment kehrt stille ein und ich drehe mir eine zigarette.
"weisst du", beginne ich aber mein gast unterbricht mich.
"wo ist denn deine freundin? wie war noch mal ihr name? irgendwas mit a."
"ana meinst du", sage ich matt, "aber sie ist keine freundin."
"ja, die mein ich."
ich seufze und zucke die schultern.
dann beginne ich meinen satz erneut: "weißt du, ich habe das gefühl, ich kenn dich gar nicht mehr."
"wie meinst n du das?"
ich überlege kurz. dann sage ich: "naja, früher wusste ich immer ziemlich genau, wann du mich besuchst. und was wir dann unternehmen können und ich wusste auch immer genau, ob du mehr lust auf n kaffee oder ne zigarette hast."
"und jetzt nicht mehr, oder wie?"
ich schüttele den kopf.
"ne, jetzt weiß ich gar nichts mehr." ich seufze noch einmal, und nehme ein paar züge meiner zigarette.
kurze stille.
"ich finde, es ist okay, manchmal nicht zu wissen, was man machen soll", sagt mein gast.
"danke", sage ich leise.
es klopft wieder an der tür.
"noch mehr besuch?", fragt mein gast.
"ich hab schon so ne idee, wer das ist", sage ich und stehe vom stuhl auf.
mit bier und zigarette in der hand schlurfe ich zur tür und mache sie auf.
"hallo", sagt mein gegenüber. "ich war nur mal kuz weg, gras holen."
ich trete bei seite und lasse den ungebetenen gast in meine wohnung.
"komm mit auf den balkon", sage ich, "ich rauche grade eine mit depression."
"hallo ana", sagt depression, "schön dich zu sehen."
"gleichfalls", sagt ana.
"ich muss umziehen", murmele ich.

Sonntag, 10. April 2016

liebe / rausch

ein sturm zieht auf.
nach langem warten und viel regen, kann ich jetzt das donnergrollen hören.
blitze zucken und alles wird für ein paar sekunden hell.
doch in mir drin -
da brennt kein licht.
jemand hat alle kerzen ausgepustet und ich sitze im dunkeln.
sitze hier und weiß nicht weiter.
finde keine antwort, auf gar nichts.
weiß nicht mal, was die frage ist.
ich suche licht aber jemand hat es weg genommen.
also bleibt diese erdrückende dunkelheit um mich herum.
ich weiß nicht, wie lange das noch andauert.
aber ich hoffe, dass bald die sonne scheint.
ich bin erschöpft.
doch obwohl es in mir finster ist, so finster wie schon lange nicht mehr -
ist da liebe.
ein riesiger, wuselnder haufen aus liebe.
mein herz zerspringt fast.
aber ich weiß nicht wohin mit ihr.
denn all diese liebe ist nicht für mich.
sie ist für andere.
ich frage mich, wie das zusammen passt.
wie ist es möglich, dass zwischen diesen großen, furchteinflößenden schatten, auch ein bisschen glanz ist?
leider ist es nicht genug, um die dunkelheit zu vertreiben.
ein sturm zieht wohl auf.


Sonntag, 3. April 2016

tabak

der aschenbecher quillt über.
ich rauche und rauche und rauche.
drehe die nächste zigarette mit meinen tollen ungebleichten, biologisch abbaubaren filtern und veganem tabak.
ich zünde mir die kippe an und nehme den ersten zug.
gedanken kreisen.
mein kopf trudelt irgendwo hinab.
ich weiß nichts mehr.
ich nehme noch einen zug.
war es richtig, frage ich mich, das alles hinter mir zu lassen?
ich flicke mit meinem daumen und asche fällt auf mein bein.
ja, es muss richtig gewesen sein.
um mich herum ist gezwitscher von den vögeln.
aber was, wenn ich nicht bereit war, denke ich und nehme noch einen zug von meiner zigarette.
ist man denn jemals bereit?
vielleicht nicht.
ich nehme einen schluck tee, er ist kalt.
die sonne ist eben untergegangen.
es wird dunkel.
das gezwitscher wird lauter.
vielleicht, denke ich, habe ich mir das alles zu einfach vorgestellt.
vielleicht war ich einfach zu naiv.
die kippe glimmt orange zwischen meinen fingern.
das ist eine schöne farbe, denke ich.
wenn es dunkel ist, wirft sie sogar einen winzig kleinen licht kegel.
habe ich erzählt, dass alles um meinen balkon herum anfängt zu blühen?
ich frage mich, ob blumen auch solche gedanken haben.
ich ziehe wieder an meiner zigarette und puste den rauch vor mir in die abendluft.
nein, blumen kümmern sich nicht, sage ich mir.
sie wünschten nicht, sie wären andersfarbig, größer oder kleiner.
sie blühen nur.
wieso kann das leben nicht leichter sein.
wieso liegt es mir so schwer auf den schultern, wenn doch eigentlich alles wie immer ist.
ich nehme erneut einen zug.
ob vögel sich wohl gedanken darüber machen, ob ihr freund schönere klänge hervor zaubert oder weiter fliegen kann?
ich flicke meinen daumen und asche fliegt hinab.
nein, sie kümmern sich nicht.
sie fliegen nur.
ich ziehe ein letztes mal und schraube mein aschenbecherglas auf.
ich lasse die zigarette hinein fallen und schraube es wieder zu.
aus.

nicht so easy

Meine Stimmung hält sich zur Zeit in Grenzen.
Eigentlich ist das noch untertrieben.
Melancholie.
Traurigkeit.
Frage nach dem Sinn.
Nach meinem Sinn, danach, was ich tue.
Es wird Frühling und die Sonne scheint.
In meinem Kopf heisst das: es ist bald Sommer.
Sommer heisst: kurze Hosen.
Kurze Hosen heißen: unkomfortabel.

Es ist zum verrückt werden.
Gesund werden ist eine gute Sache, und es ist wirklich toll.
Man spürt positive Energie im Körper und im Geist.
Wärme.
Und zwar genau so lange, bis etwas passiert, was einen aus der Bahn wirft.
Sei es ein Blick in den Spiegel oder die Frage, welche Hose man anzieht, weil man weiß, manche passen nicht mehr, im negativen Sinne versteht sich.

Jetzt mal ohne Scheiss, dieses Hosenproblem ist furchtbar.
Ich will nicht lügen, die anfänglichen zwei extra Kilos waren nicht mal wild, teilweise haben sie mir gefallen, weil sie an den richtigen Stellen waren.
Aber irgendwann sind es eben nicht mehr Arsch und Titten, die etwas abbekommen, sondern auch der Bauch, die Beine, das Gesicht.

Ich esse furchtbar zur Zeit, und damit meine ich nicht "wäre ich jetzt nicht in Recovery würde ich das toll finden".
Ich meine furchtbar-furchtbar.

Darunter leidet auch meine Haut merklich, Überall Pickel und Mitesser.

Und was mache ich?
Richtig.
Gar nichts.

Anstatt meinen Arsch hoch zu kriegen liege ich im Bett und esse nicht nur eine Tüte, sondern gleich zwei Tüten Chips.
Unter anderen Umständen wäre das okay, aber ich habe so viel Angst meine geliebte schwarze High-Waist Hose anzuziehen, dass ich nicht mal weiss, wo ich sie im Schrank genau vergraben habe.

Ich habe einen Tiefpunkt erreicht.
Einen wirklich tiefen Tiefpunkt.
Und ich tue mich wirklich schwer damit, mich hier zurecht zu finden.

Es ist leichter gesagt als getan, die ganze Planung mit Pilates (mit Abstand mein Lieblingssport, ungelogen) und gesunder Ernährung.
Viel leichter hingegen ist es, in alte Muster zu fallen.

Rückfälle gehören zum Leben dazu, Punkt.
Ich entscheide mich hiermit nicht für einen Rückfall.

Dennoch ist es nicht zu ertragen.
Kann ich mich einfach nicht ertragen.
Ich will aus meiner Haut.

Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag werde ich ganz bewusst einen Teil der Vergangenheit rauskramen.
Nichts erhebliches. Nichts weltbewegendes.
Ich werde quasi einfach viel trinken und Obst, Gemüse, Suppe oder Smoothies zu mir nehmen.
Wie gesagt, es ist lächerlich.
Es ist gar nichts.

Mal abgesehen von meiner panischen Hosenangst und dem bisschen Selbsthass durch den ich mich hindurch schlängel, geht's mir ganz gut.

xoxo
Anna