Ich drücke mein Gesicht in sein T-Shirt. Es riecht nach Waschpulver und Rauch. Er hat seinen Arm um mich gelegt und fährt langsam mit seiner Hand meine Schulter entlang. Ich spüre, wie er kurz innehält, etwas doller drückt und wieder die Schulter entlang streicht. Er spürt es, denke ich. Seine Hand wandert zu meinen Rippen, das Gleiche Spiel; er hält kurz inne, bevor er die einzelnen Knochen entlang tastet. Er sagt kein Wort, ich auch nicht. Ich öffne meine Augen und drehe meinen Kopf ein kleines Stück, bis ich an die Decke starren kann. Es ist ungewohnt für mich, seine Reaktion. Sobald er aufhört zu tasten, drehen sich meine Gedanken wie ein Karussel. Ich will es ihm sagen. Aber ich bringe es nicht über mich, ich weiß nicht wie. Man sollte meinen, ich habe inzwischen Übung darin. Aber die Wahrheit ist, dass ich so sarkastisch und zynisch vor anderen Menschen damit umgehe, dass ich mich selber nicht einmal ernst nehmen könnte.
Ich bin inzwischen alt genug, um alles besser zu verstehen.
Ich verstehe inzwischen, wie alles begonnen hat.
Ich verstehe, was der Reiz war.
Aber ich verstehe inzwischen auch, wieso es mir nicht wirklich besser ging.
Ich verstehe, wieso meine Probleme sich nicht in Luft aufgelöst haben.
Ich verstehe, warum Leute Dinge gesagt haben, die sie gesagt haben.
Ich verstehe auch, warum jemand innehält, wenn er über Knochen streicht.
Ich verstehe das alles, aber es hilft nicht. Es macht es nicht besser. Eigentlich macht es alles noch schlimmer.
Ich weiß jetzt, was ich mir antue. Ich bin mir jetzt dessen bewusst, früher war das anders. Zumindest am Anfang.
Und die Wahrheit ist viel Trauriger, und viel Glanzloser, als man denkt.
Denn die Wahrheit ist, dass ich mich nicht mehr nur gut fühle, wenn jemand fragt "hast du abgenommen".
Die Wahrheit ist, dass ich viel zu viel Rauche.
Die Wahrheit ist, dass ich wieder angefangen habe zu Kiffen, und auch das viel zu viel ist.
Und die Wahrheit ist, dass ich sehr viel Angst habe.
Ich habe zwar einen Anker, aber was nützt mir ein Anker ohne Schiff? Ich weiss nicht, wo lang es geht.
Ich drifte weg, entferne mich von mir selbst.
Ich habe mich vorhin das erste Mal seit fast 3 Jahren wieder gekratzt. Nichts ergibt mehr Sinn.
Ich fühle mich entfremdet.

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