Dienstag, 14. Oktober 2014

Von T., L. und dem Sinn

Ich hatte in den letzten Tagen ein paar Erfolgserlebnisse, und auch ein paar nicht so erfolgreiche Erlebnisse.
Zunächstmal bin ich endlich wieder runter (ich schwöre auf Detox-Tee).

Ich ziehe diesen Samstag wieder zurück zu meiner Mutter, wie das wird kann ich mir schon ausmalen. Ich hoffe sehr, dass das keine dauerhafte Situation wird.
Kommenden Monat kommt das Gym, endlich.
Meine Hüfte bringt mich noch um, gehe morgen nicht zur Arbeit - würde einem Betreuten vermutlich den Rolli klauen und mich selbst reinsetzen.



Gestern habe ich bei T. übernachtet, alkoholisiert und wie immer beide die größten Schisser. Aber trotz fragwürdiger Vergangenheit haben wir es geschafft in einem Bett zu liegen, ohne auszuflippen. Und das verbuche ich ebenfalls als Erfolg. Es war nicht immer einfach, und es war definitiv noch beschissener als ich nie wusste, wann oder ob das nächste Hallo kam. Inzwischen sind wir ein gut eingespieltes Team. Wissen alles über den Anderen - was auch nicht immer von Vorteil ist, denn T. weiß genau, wieso ich 10 min. mein Rührei auf dem Teller hin und her schiebe und nur ein Brötchen mit Butter esse und ihm den Berliner überlasse. Ich denke, das, was mich am meisten daran stört, ist sein Blick. Jedes mal schaut er dann herüber, die Stirn kaum sichtbar in Falten gelegt, und ich höre es in seinem Kopf rattern. Aber er sagt nichts. Nie. Er denkt, es geht ihn nichts mehr an. Nicht wie früher, wo er tagelang nicht geschlafen hat, aus Angst etwas würde passieren, worüber er keine Kontrolle hat. Denn keine Kontrolle zu haben, ist für ihn etwas unvorstellbares.
Ich schätze es, dass er noch immer in meinem Leben ist. Und ich bin mir sehr wohl bewusst, was für ein Glück ich habe, denn ich weiß auch, dass es nicht allen so geht.
Die Wahrheit ist, dass ich froh bin jemanden an meiner Seite zu haben, der es (fast) von Anfang an mitgemacht hat. Der die ersten Worte darüber aus meinem Mund purzeln sah, und nicht reagiert hat, wie so viele andere ("Oh.").
Ich weiß, dass ich ohne ihn überlebensfähig bin, inzwischen weiß ich so einiges über mich. Zum Beispiel, dass ich stark genug bin. Aber manchmal bin ich einfach müde vom stark sein, und ich brauche jemanden, der diese Aufgabe für eine kleine Weile übernehmen kann.
T. ist nicht immer so eine Person. Aber es ist auch nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist, sich daran zu erinnern, wie schlimm es sein kann, und nicht zu vergessen, wer ich bin, was ich war, und was ich vielleicht wieder sein könnte. Und mich darauf aufmerksam zu machen, wenn es nötig ist.
Diese Aufgabe macht er gut, das muss man ihm lassen. Aber da sind auch ein paar Sachen, die er besser machen könnte, zum Beispiel nicht so nachtragend gegenüber L. sein. Sie ist diejenige, die es schafft für mich stark zu sein, wenn ich es nicht kann. Und ich hoffe, dass es andersrum genauso ist.

Jeder hat seine Aufgabe, jeder hat einen Sinn. 
Doch was passiert, wenn ich keinen find?

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